The Streets

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Persönlicher geht's nicht: Mike Skinner twittert! Der Mastermind von The Streets ist ja sowieso schon ein Internet-Nerd mit eigenem Blog und "always online" - jetzt hat er sich ...
Mal ganz ehrlich: Ist doch viel zu kalt um rauszugehen, da frieren einem ja an der Ampel die Sneaker fest. Braucht man aber auch gar nicht unbedingt: Die Party kommt jetzt schön ...
Mike Skinner war ja gerade hierzulande unterwegs, um euch mal ein paar Takte zu erzählen und zu wilden Tanzorgien zu verführen. Wer dabei war, weiß: Da ging alles! ...
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Biografie

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Die aktuelle Biografie von The Streets kannst du hier auf der deutschsprachigen Webseite lesen.

1062.jpgHeaven For The Weather

Everything Is Borrowed heißt der vierte Longplay-Coup von Mike Skinner, a.k.a. THE STREETS, der auf Position 7 in die britischen Charts einstieg. Und nachdem die eher besinnliche, gleichnamige erste Single bereits die Runde machte, trumpfen THE STREETS nun mit einem höchst tanzbaren Track auf. Heaven For The Weather ist ein herrlicher Uptempo-Song, der so leichtfüßig wie humorig und voller Sprachwitz daherkommt. Denn in Heaven For The Weather trifft Skinner auf den Teufel persönlich, der eigentlich ein ganz unterhaltsamer Typ ist. Allerdings ist das Klima im Himmel verträglicher und Skinner steht vor einer schweren Entscheidung. I’d wanna go to heaven for the weather / hell for the company / I’d wanna go to heaven for the weather but / Hell seems like fun to me.

Everything Is Borrowed ist das klare Ergebnis einer persönlichen Entwicklung. Schafften THE STREETS mit dem 2-Step-geprägten Debüt Original Pirate Material auf Anhieb den Durchbruch mit House- und HipHop-Beats und lyrisch verpackter Straßenphilosophie, legte Skinner mit A Grand Don’t Come For Free (2004) schon eine authentische House-Oper vor, die in den trostlosen Alltag britischer Vorstädte entführte. The Hardest Way To Make An Easy Living (2006) thematisierte Skinners Erfahrungen mit Promikult und Jetset, die ihn mittelmäßig angeekelt zurückließ. Everything Is Borrowed ist nun das Ergebnis einer inneren Reinigung, und daher erklärt sich auch die große Klarheit und zeitweilige Heiterkeit, die Skinner auf dem Album erreicht hat. Wie zum Beispiel in Heaven For The Weather zu hören. „Es ist ein neuer, ein aufgeräumter Mike Skinner, der sich hier präsentiert“, schrieb Visions in der Oktober-Ausgabe. Und das trifft die Sache ziemlich auf den Punkt.

Foto 1Everything Is Borrowed

Sechs Jahre ist es her, dass ein Album mit dem Titel Original Pirate Material aus dem Nichts erschien und über alle Genres hinweg Fans in seinen Bann zog. Dieses erste Album von THE STREETS etablierte Mastermind Mike Skinner quasi über Nacht als das kreativste Großmaul aus der Asche der britischen Grime- & HipHop-Szene, mit überdurchschnittlichen MC-Skills und außergewöhnlich komplexen Texten. Das Album wurde für einen Mercury Prize und einen BritAward nominiert, erreichte die UK-Top-10, und wurde in England und Deutschland fast ausnahmslos zum Album des Jahres gewählt.
Aber das sollte nur das Vorspiel zu einem noch fetteren Coup sein. 2004 legten THE STREETS das Konzeptalbum A Grand Don't Come For Free nach, ein aberwitziges Album über einen typischen Geezer aus der Londoner Vorstadt, eine Hip-Hopera, ein Straßenroman in Versen, wie immer man es auch nennen will. Das Album öffnete Türen und brachte Skinner auf ein völlig neues Level des Erfolgs: Drei Millionen verkaufte Exemplare, mehrere Brit- und Ivor Novello-Awards und eine Doppel-1 mit Single und Album in den UK-Charts.
Zwei Jahre später hatte Skinner die dunklen Seiten des Starrummels und des Promiuniversums kennen gelernt und verpackte seine Erfahrungen in die wahrscheinlich actionreichsten 37 Minuten des Pop, Rap und Rock'n'Rolls: The Hardest Way To Make An Easy Living, das mit Tracks wie When You Wasn't Famous, Never Went To Church und Memento Mori schonungslos Bericht erstattete.
 
Foto 2Inzwischen schreiben wir das Jahr 2008 und Skinner hat sein viertes THE STREETS-Album am Start. Everything Is Borrowed erinnert uns massiv an all die Gründe, warum THE STREETS von Anfang an mehr war als irgendeine Band. Es sind die prägnanten Lyrics, die nachdenklichen Analysen im Subtext und Skinners einmaliges Talent, komplizierte Gefühlslagen mit hohem musikalischem Anspruch auf den Punkt zu bringen. Everything Is Borrowed vereint das Beste aus den vorangegangenen drei Alben, natürlich nicht, ohne wieder ganz neue und frische Elemente einzubringen.
 
Nach dem ausgeprägten Zynismus von The Hardest Way… überrascht Everything Is Borrowed mit der Flamme des Optimismus. Vom Titeltrack Everything Is Borrowed, der darüber meditiert, wie man aus den unendlichen Möglichkeiten des Lebens das Beste machen kann („I came to this world with nothing, and I'll leave with nothing but love, everything else is just borrowed ...") bis zum nahezu mystischen Finale The Escapist, in dessen Video Skinner wie auf einer Pilgertour zu Fuß quer durch Frankreich geht, durchzieht eine heilende Gelassenheit das ganze Album. Skinner hat das sinnlose Herumhängen mit Promis und Paparazzi hinter sich gelassen und offensichtlich eine neue Perspektive auf das Leben gefunden. Auf Everything Is Borrowed nimmt er sich warmherzig der Verlorenen an und zaubert auch auf das traurigste Gesicht noch ein tröstendes Lächeln.
 
Foto 3Es wäre übertrieben zu sagen, dass alles mit Elton John begann, aber einer der Auslöser für das Album war der Beitrag zum (durchaus diskutierbaren) Tribut-Album für BBC Radio 1 zu dessen 40. Geburtstag. Skinner überzeugte darauf mit einer ernsten und eigenartig bewegenden Version von „Your Song“, in der er dem vertrauten Text neues Leben einhauchte und an der Seite des Urgesteins Robert Wyatt stand. Der „große alte Mann“ wiederum trat als Gegenleistung zu einem glücklichen Tag im Studio in einer frühen Version von On The Edge Of A Cliff als Gastsänger auf. Leider ging dessen Auftritt irgendwo im Prozess des Editierens verloren, was Skinner sich bis heute nicht verzeihen kann.
Aber so wie A Grand Don’t Come For Free eine berührende Message mit humanistischem Einschlag in einer ungewöhnlichen Rahmenerzählung präsentierte, öffnete ihm der zum Teil schmerzhafte Produktionsprozess (Skinner: „Filmscripts geschrieben und sie zu Songs umgemodelt“) das Tor in eine neue, kreative Freiheit: Man muss auch loslassen können.
 
Sich auf die ersten Prinzipien zu besinnen, ist eine Sache. Aber vor die ersten Prinzipien zurück zu gehen, ist eine andere. Auf Everything Is Borrowed kombiniert Skinner seinen Hang zum HipHop mit dem Einsatz „echter“ Instrumente, koppelt sich an die Rockgeschichte an und beschäftigt sich mit widersprüchlicher Theologie. Das Ergebnis sind wahre Sing-A-Longs über unkonventionelle Themen wie Religion (Alleged Legends), Evolution (The Way of the Dodo), biologische Bestimmung (On the Edge of a Cliff) und Männerfreundschaften (The Sherry End). Everything Is Borrowed vereint unwiderstehliche Pop-Hooks und das Potenzial des Rap, nahezu kinofähige Geschichten zu erzählen. Wenn man so will, ist Everything Is Borrowed die Antwort des britischen HipHop auf die Fabeln des Äsop.
 
Foto 4Als die Leute zum ersten Mal das THE STREETS-Debüt Original Pirate Material hörten, wussten viele nicht, was sie davon halten sollten. War der Künstler weiß oder schwarz? Kam er aus London oder aus den Midlands? Meinte er es todernst oder war er bloß ein Spaßmacher? Heute kennen wir Mike Skinner - oder wir glauben es zumindest. Denn damit, dass der Mann mit einem Album von einer bodenständigen Spiritualität wie Everything Is Borrowed kommen würde, hätte wohl keiner gerechnet. Und Skinner hat bei alldem nicht nur zu seinem erzählerischen Elan zurückgefunden, er bringt es auch fertig, auf seinem Wortfluss in Gewässern zu schwimmen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat…
 
Vor der ersten Single Everything Is Borrowed ging bereits der Teaser The Escapist an die Clubs und die Blogger-Communities. Mit Ted Mayhem zusammen hat Skinner dafür ein Video gedreht, das ihn auf einer Wanderung durch Frankreich zeigt. Skinner: „Während der ziemlich intensiven Mix-Phase haben wir gedacht, dass es eine feine Sache wäre, ein Video zu drehen. Es wurde völlig anders als alle Clips, die ich bisher gedreht hatte: Wir haben einfach drauflos gefilmt, statt mit einer Menge Statisten und Kameraeinstellungen zu versuchen, etwas herzustellen, das echt wirkt. Es ist viel mehr ein Video im eigentlichen Sinne.“ 

Cover Everything Is BorrowedEverything Is Borrowed – Track by Track

1) Everything is Borrowed
Wenn Phil Spector „kleine Symphonien für Kids“ schrieb (was er übrigens wirklich tat), ist dies eine Orchester-Rhapsody fürs Handy. Hört sich an, als würde das gesamte Tschechische Philharmonie Orchester in eine kleine Schachtel gepackt. Skinner zelebriert hier diesen magischen Moment in den frühen Morgenstunden, wenn alles plötzlich alles an seinem Platz ist, dort wo es wirklich hingehört.
 
2) Heaven for the Weather
“There’s something in the sun this day I feel it, or maybe it’s just my hay-fever”. Was könnte sich besser dafür eignen, einen neuen Morgen zu begrüßen, als eine Happy Hardcore-Keyboardlinie auf einer Drum aus Keksdosen? „Der Song besteht eigentlich aus den Akkorden von Patti Smiths Horses“, erklärt Skinner. „Aber weil er eine ganz andere Basslinie hat, klingt er viel fröhlicher.“
 
3) I Love You More (Than You Like Me)
Ein reiferes, weiseres und bescheideneres Fit But You Know It, das die denkwürdige Essenz reiner Romanze enthält: „I drew a drawing of you after (the) last time I saw you… it was absolutely shit, I’m awful at drawing”.
 
4) The Way of the Dodo
„Der Track hat etwas Manisches, weil ich so schnell drauf rappe,“ erklärt Skinner. „Der Refrain fängt wie eine Ballade an, aber ich glaube es funktioniert besser als alberner Song. Ich fand schon immer, dass das ganze Thema viel Wahrheit besitzt, aber ich wollte nicht so enden wie Sting, also habe ich mir einen Spaß daraus gemacht, dass wir alle dem Untergang geweiht sind.“ Und jetzt alle zusammen: „These are my wings, this is my beak”.
 
Foto 75) On the Flip of a Coin
Mit den Lyrics irgendwo zwischen The Dice Man und A Boy Named Sue sowie einem musikalischen Background, der sich zwischen der Love Story und Der Dritte Mann bewegt, ist dies der erste fundamentale Kern des Drehbuchcharakters von Everything Is Borrowed. In dem Song zwingt ein Vater seinen Sohn zu einer existenziellen Schwimmstunde. „Es gibt auch ein paar blauäugige Mädchen in den Meeresgrotten, aber das habe ich ausgelassen,“ erläutert Skinner. „Alles was ich sagen will, ist, dass du nur lernst, wenn du Sachen machst, von denen du denkst, dass du sie eigentlich gar nicht machen willst.“
 
6) On the Edge of a Cliff
Eine sanfte Herb Alpert-Trompete und eine heroische Ernie Islay Gitarre leiten das ein, was wahrscheinlich der unvergesslichste Chorus des Jahres 2008 werden wird. „For billions of years since the outset of time, every single one of your ancestors survived, every single person on your mum and dad’s side successfully looked after and passed onto you life … what are the chances of that, like?”
 
 
7) Never Give In
„Mein sexy Song“, so Skinner über die aus dem Gleichgewicht geratene Lobeshymne zur Notwendigkeit des Durchhaltevermögens in der Kunst der Verführung. „Ich bin wirklich nicht so groß in diesem Sex-Ding, aber ich dachte, ein Versuch ist es wert.“
 
8) The Sherry End
Eine muntere Street-Funk-Hommage über die Bedeutung von Geheimsprachen in Freundschaften, in der Skinner die denkwürdige Phrase „Amazing mongrels of conjoinment“ erfindet. „Ich glaube, ich bin mit den alten Insider-Jokes auf dem letzten Album etwas zu weit gegangen“, so gibt er zu. „Und dies ist mein Versuch, das richtig zu stellen.“ 
 
Foto 69) Alleged Legends
„Could it be so that we think to be right is simply the opinion that survived?“ Das ist eine der Fragen, die Skinner in diesem Nachfolger zu Never Went To Church stellt. „Die Art, wie das menschliche Gehirn Dinge zusammen setzt, und die Gefühle, die wir empfinden, halten uns letztlich vom Atheismus ab“, meint Skinner. „Ich mag tatsächlich nicht mal das Wort Atheismus, denn nur, weil du nicht an diesen bestimmten Typen glaubst, heißt das doch nicht, dass du nicht trotzdem zu denen gehören kannst, die eine leidenschaftliche Liebe für das Leben empfinden.“
 
10) Strongest Person I Know
Der wahrscheinlich schönste und zärtlichste Lovesong seit Billy Braggs The Milkman of Human Kindness.
 
11) The Escapist
„Der Song wurde eigentlich geschrieben, um den Höhepunkt eines Films zu begleiten – so ein abgefahrenes Prison-Break-Ding. Ich habe keine Idee, ob der je erscheinen wird, aber es gefiel ihnen nicht, dass ich mich weigerte, einen Song über ein Gefängnis zu schreiben, also hab ich ihn schließlich als letzten Track auf das Album genommen.“

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