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The Streets – 03.11. Huxleys/Berlin
Dass für The Streets schon länger keine Genregrenzen mehr gelten, wurde auf den letzten Alben bewiesen. Und die Publikumszusammensetzung im sehr gut gefüllten Berliner Huxleys macht dies noch einmal deutlich. Da steht der Britpopper einträchtig neben dem HipHop-Head, das Indie-Mädchen neben dem popaffinen Mittdreißiger. Aber an diesem Abend werden vor allem die Beats den Ton angeben, das macht schon der vor dem Auftritt der auflegende DJ klar, der mit einer Mischung aus Grime, UK Garage und Dubstep die Zuschauer beschallt.
Nach längerer Umbau- und Wartezeit nehmen zuerst die Live-Musiker ihren Platz ein und schicken ein basslastiges Intro auf den Weg, zu dem Mike Skinner und Co-Sänger Kevin Mark Trail die Bühne betreten. Jeder hält ein kabelloses Mikrofon in der Hand, und die dadurch ermöglichte Bewegungsfreiheit auf der Bühne werden sie tanzender und springender Weise noch oft ausnutzen. Und wie um gleich zu zeigen, wohin die Reise an diesem Abend gehen soll, wird aus dem eher getragen-nachdenklichen „Everything Is Borrowed“ zur Eröffnung ein flotter Tanzboden-Kracher. Das hinterher geschobene „Let’s Push Things Forward“ lässt dann fast Jeden in mehr oder minder ausgelassene Tanzbewegungen verfallen. Skinner und Trail zeigen sich gut bei Stimme, obwohl der Sound etwas breiig abgemischt scheint. Das tut der Unterhaltung aber keinen Abbruch, den Skinner zeigt sich als grandioser Entertainer.
Ob er nun von der Bühne aus Jägermeister bestellt und diesen dann an ein paar Zuschauer verteilt oder das gesamte Publikum niederknien und zum einsetzenden Beat wieder aufspringen lässt, der Spaß auf als auch vor der Bühne scheint jederzeit greifbar. Unerwarteter Weise gilt der musikalische Fokus nicht dem neuen Album, sondern dem Debüt „Original Pirate Material“, das fast komplett gespielt wird. Bis auf zwei Ausnahmen („The Escapist“ und „Never Went To Church“) wird auch bei den eigentlich langsameren Stücken dank Basseinsatz ein kurzes zur Ruhekommen nicht möglich, manche Songs werden nur kurz angeteast, um gleich in den nächsten überzugehen.
Dem gut aufgelegten Trail wird bei einer Soloperformance von Glasvegas’ „Daddy’s Gone“ noch die Möglichkeit gegeben, seine stimmlichen Fähigkeiten vorzuführen. Nach einer Stunde und „Blinded By The Lights“ ist schließlich das reguläre Set beendet. Die Zugabe wird mit „Turn The Page“ eingeleitet, bei dem Skinner seinen an diesem Abend grandiosen Flow zeigt. Bei „Dry Your Eyes“ wird noch einmal kurz Luft geholt und ein Tränchen verdrückt, bevor „Fit But You Know It“ den Abend beendet. Beendet? Nicht ganz, denn eine letzte Einlage Skinners wird es noch geben. Er lässt die vorderen Zuschauerreihen eine Gasse bilden, die er dann entlangläuft um sich crowdsurfenderweise wieder zur Bühne tragen zu lassen. Noch ein kurzes Winken, dann geht er lächelnd ab. Er scheint zufrieden. Und das Publikum auch.
Autor: Eric Bauer